Polygraphie - Die ambulante Untersuchung auf schlafbezogene Atemstörungen (Schlafapnoe)

Schlafbezogene Atemstörungen haben in den letzten Jahren einen zunehmenden Stellenwert in der Medizin erfahren. Unsere Praxis bietet ein ambulantes Untersuchungsverfahren zum Erkennen nächtlicher Atemaussetzer an, die sogenannte Polygraphie. In den folgenden Absätzen erfahren Sie mehr über schlafbezogene Atemstörungen, ihre Diagnostik und Therapie.

Viele Menschen leiden an der sogenannten Schlafapnoe. Dabei kommt es zu wiederholten Atemaussetzern während des Schlafes. Ursache ist zumeist ein Erschlaffen der Rachenmuskulatur, das - häufig besonders in Rückenlage - zu einer Verlegung (Obstruktion) der oberen Atemwege führt. Man spricht hier vom obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, abgekürzt OSAS. Dies tritt besonders bei übergewichtigen Menschen auf. Die Atemmuskulatur ist dann zwar bemüht, die Atembewegungen von Brust- und Bauchraum aufrecht zu erhalten, aber zunächst geht kein Luftstrom durch den Rachen. Die Folge ist eine Sauerstoffunterversorgung des Körpers. Durch verstärkte Atemarbeit kann der Widerstand schliesslich überwunden werden und die oberen Luftwege öffnen sich wieder - meist verbunden mit einem mehr oder weniger lauten Schnarcher. Der Schlaf wird hierdurch gestört, auch wenn der Betroffene dies meistens nicht unmittelbar bemerkt. Auffällig sind vielmehr Symptome, die am Tag auftreten.

Im Schlaf durchläuft jeder Mensch normalerweise verschiedene Phasen. Für einen erholsamen Schlaf sind vor allem die Tiefschlafphasen von besonderer Bedeutung. Gerade diese werden aber bei Menschen mit einer Schlafapnoe nicht oder nicht ausreichend erreicht. So kann es sein, dass sie am Morgen erwachen und sich "gerädert" fühlen, obwohl der Eindruck besteht, die Nacht über durchgeschlafen zu haben. Auch morgendliche Kopfschmerzen werden oft beklagt. Das wichtigste Symptom ist aber die Tagesschläfrigkeit: Die Betroffenen fühlen sich müde und neigen unter Umständen sogar dazu, zwischendurch einfach einzuschlafen (Sekundenschlaf). Nicht selten stellen sich in der Folge auch Depressionen ein. Die Konzentration ist herabgesetzt, die Leistungsfähigkeit kann sinken und die Unfallgefahr im Straßenverkehr oder bei der Arbeit mit Maschinen steigt. Aber nicht nur dies macht das Schlafapnoe-Syndrom nicht nur zu einer lästigen, sondern auch gefährlichen Angelegenheit.

Die nächtlichen Atemanstrengungen in Verbindung mit einem Sauerstoffmangel bedeuten Streß für den Körper, vor allem für Herz und Kreislauf. Viele Menschen mit einer Schlafapnoe leiden auch unter erhöhtem, oftmals schwer einstellbarem Bluthochdruck. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall steigt mit Häufigkeit und Dauer der nächtlichen Atemaussetzer. Sogar eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann durch eine Schlafapnoe begünstigt werden. Die Risiken einer Folgeerkrankung, das erhöhte Unfallrisiko und die bereits beschriebenen Symptome machen eine Diagnose und Therapie schlafbezogener Atemstörungen so wichtig.

Häufig ist es die Partnerin/der Partner, die/der erste Hinweise auf ein Schlafapnoe-Syndrom entdeckt. Störendes, meist unregelmässiges Schnarchen kann schon ein Indiz sein. Oft lassen sich auch Atemaussetzer während des Schlafes vom Bettpartner beobachten.
Das vieldeutige Symptom der Tagesmüdigkeit lässt sich mit einem einfachen Test, dem "Epworth-Sleepiness-Scale" weiter einschätzen. Zum Test geht es hier.

Wenn Sie befürchten, an schlafbezogenen Atemstörungen zu leiden, sollten Sie sich in jedem Fall von uns beraten lassen. Wir werden dann das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen. Die wichtigste Nachricht: Ein Schlafapnoe-Syndrom ist heute gut behandelbar. In den meisten Fällen werden hierfür spezielle Schlafmasken eingesetzt. Diese werden über einen Schlauch mit einem sogenannten CPAP-Atemgerät verbunden, das vorsichtig Luft über die Maske in die Nase insuffliert, so dass die Rachenmuskulatur auch im Falle eines nächtlichen Erschlaffens nicht kollabieren kann. So wird sichergestellt, dass die Luftwege während des Schlafes jederzeit frei durchgängig bleiben und der Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann. Die Atemmuskulatur wird so entlastet. In der Folge bessert sich der Blutdruck, das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall sinkt. Auch wenn die Vorstellung einer nächtlichen Maskenbeatmung zunächst erschreckend klingen mag - die Akzeptanz moderner Masken liegt bei ca. 80 %. Der Anteil derer, die eine solche Therapie nicht tolerieren, ist also vergleichsweise gering. Aber bevor eine Therapie geplant werden kann, muss erst mal die Diagnose gesichert werden. Dies funktioniert mit einem ambulanten Messsystem, der sogenannten Polygraphie, die wir über unsere Praxis durchführen können.

Die Polygraphie ist ein sehr umfassendes, kleines Messgerät, das wir in unserer Praxis führen und das Sie zur Untersuchung mit nach Hause nehmen können. So kann die Diagnostik in gewohnter Umgebung erfolgen. Wenn das Ergebnis zeigt, dass Sie keine schlafbezogenen Atemstörungen haben, reicht die Untersuchung in aller Regel aus. Im Falle eines auffälligen Befundes werden wir Sie in ein sogenanntes Schlaflabor in einer spezialisierten Klinik in der Umgebung einweisen. Die Durchführung einer ambulanten Polygraphie ist übrigens die Bedingung dafür, dass Ihre Krankenkasse die Kosten für eine Untersuchung im Schlaflabor in der Klinik übernimmt. Die ambulante Polygraphie umfasst verschiedene Messungen, die zusammen einen guten Überblick über Ihre Atmung im Schlaf bieten. Im Einzelnen werden die folgenden Parameter erfasst:

  • Der Atemfluss durch die Nase zeigt an, wie Sie im Schlaf atmen. So wird geprüft, ob die Atmung regelmässig ist oder Atempausen auftreten.
  • Mit Hilfe von Drucksensoren werden die Atembewegungen des Brustkorbs und des Bauches erfasst. In Zusammenschau mit dem Atemfluss über die Nase können wir so feststellen, ob die Atembewegungen effektiv sind oder nicht. Im Falle einer Obstruktion mit Atempausen in der Nacht zeigen sich bei der Auswertung zwar Bewegungen von Brustkorb und Bauch, aber kein Atemfluss über die Nase.
  • Ein Fingersensor misst die Sauerstoffsättigung des Blutes und den Puls mittels Durchleuchtung des Fingers mit einem kleinen Infrarotlicht. Dieses Messverfahren ist selbstverständlich völlig nebenwirkungsfrei.
  • Das Messgerät selbst speichert alle ermittelten Werte und kann zusätzlich durch seine Ausrichtung Ihre Schlafposition (Rücken- oder Seitenlage) feststellen. Des weiteren werden Schnarchgeräusche erfasst und über einen Pegelausschlag in der Aufzeichnung markiert (hierbei kann nicht zwischen unterschiedlichen Geräuschen oder gesprochenen Worten unterschieden werden).

Zu einem vereinbarten Termin geben wir Ihnen das Polygraphiemessgerät und die Zusatzausrüstung mit nach Hause. Wir erklären Ihnen natürlich vorher genau, wie Sie das Gerät anlegen müssen. Im Folgenden können Sie dies aber auch noch einmal genau Schritt für Schritt nachlesen.
Zunächst möchten wir Ihnen eine Übersicht über die Einzelteile geben, die Sie nach der unten folgenden Anleitung anbringen müssen:

  1. Messgerät mit Befestigungsband und Brustgurt (→ siehe Abbildung 1)
  2. Bauchgurt (→ siehe Abbildung 2)
  3. Adapter für Nasenbrille (→ siehe Abbildung 3)
  4. Nasenbrille (→ siehe Abbildung 4)
  5. Fingersensor (→ siehe Abbildung 5)

Vorbereitung der ambulanten Polygraphie

Bereiten Sie sich am Abend der Messung wie üblich auf das Schlafengehen vor. Tragen Sie einen leichten Schlafanzug, die Messgurte sollen nicht auf der blossen Haut angebracht werden. Bitte achten Sie darauf, dass der Fingernagel dort, wo der Fingersensor (Abb. 5 und 8) zur Sauerstoffmessung angebracht werden soll, kurz geschnitten ist. Nagellack muss vollständig entfernt werden, da der Sensor sonst fehlerhafte Werte registrieren würde.

Und so bringen Sie die Messeinheiten an:

Im Folgenden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die einzelnen Messeinheiten anlegen.

  1. Legen Sie das Messgerät (Abb. 1) an, indem Sie das Befestigungsband (das ist die kleine Schlaufe) über den Kopf ziehen. Das Messgerät wird über dem Schlafanzug auf Ihrer Brust positioniert (→ siehe Abbildung 6).
  2. Legen Sie den mit dem Messgerät verbundenen Brustgurt um Ihren Brustkorb und verschliessen Sie den Klettverschluss. Der Gurt darf dabei nicht zu locker sein, da sonst die Atembewegungen nicht korrekt aufgezeichnet werden.
  3. Legen Sie nun den Bauchgurt so um Ihren Bauch, dass der Drucksensor nach innen gerichtet ist und verschliessen Sie den Klettverschluss. Achten Sie bitte auch hier darauf, dass der Gurt fest sitzt.
  4. Befestigen Sie den kleinen Schlauch des Bauchgurtes mit dem schwarzen Anschlussstutzen mit etwa einer halben Umdrehung an der Unterseite des Messgerätes (→ siehe Abbildung 7).
  5. Stecken Sie einen Finger in die graue Sensorhülse des Fingersensors, so dass das Kabel über dem Handrücken verläuft (→ siehe Abbildung 8). Bitte beachten Sie, dass der Fingernagel kurz geschnitten und Nagellack vollständig entfernt sein muss.
  6. Fixieren Sie das Kabel des Fingersensors mit dem kleinen Klebeband am Handgelenk (→ siehe Abbildung 8). Bitte benutzen Sie keine Armbanduhr oder ähnliches zur Fixierung, da das Kabel sonst beschädigt werden könnte.
  7. Stecken Sie den Stecker des Fingersensorkabels in die mittlere Buchse an der Oberseite des Messgerätes (→ siehe Abbildung 9).
  8. Nehmen Sie die Nasenbrille aus der Verpackung. Bitte werfen Sie die Verpackung nicht weg, damit Sie die Nasenbrille am nächsten Morgen wieder darin verstauen können. Legen Sie die Nasenbrille an, indem Sie die beiden kleinen Öffnungen in den Nasenlöchern platzieren. Die Schläuche werden hinter den Ohren entlang unter das Kinn geführt und mit dem Kunststoffring fixiert (→ siehe Abbildung 10).
  9. Stecken Sie das Ende des Schlauches der Nasenbrille in den Adapterschlauch (→ siehe Abbildung 11).
  10. Verbinden Sie den Adapterschlauch mit etwa einer halben Umdrehung mit dem weissen Anschlussstutzen an der Oberseite des Messgerätes (blau unterlegter Anschluss → siehe Abbildung 12).
  11. Drücken Sie jetzt den START-Knopf am Messgerät, damit die Aufzeichnung beginnt. Während der Aufzeichnung blinkt die grüne Kontrolllampe im 4-Sekundentakt. Sollte die rote Kontrolllampe blinken, ist das Pulssignal nicht korrekt. Bitte überprüfen Sie in diesem Fall den Sitz des Fingersensors und den Anschluss.

Sie können sich nun ganz bequem ins Bett legen und sich auch auf die Seite drehen - so, wie Sie es gewohnt sind.
Am nächsten Morgen legen Sie das Gerät vorsichtig ab und verstauen sämtliche Einzelteile wieder im Koffer (Einmalartikel werden von uns in der Praxis aussortiert!). Packen Sie aus hygienischen Gründen die Nasenbrille bitte in eine separate Tüte. Die Messung endet automatisch.
Bitte bringen Sie den Koffer mit allen Einzelteilen zum vereinbarten Zeitpunkt zurück in unsere Praxis. Wir werden die Aufzeichnung auswerten und das Ergebnis dann mit Ihnen besprechen.

Der folgende Test trägt dazu bei, anhand des Symptoms der Tagesmüdigkeit das Risiko für das vorliegen eines Schlafapnoe-Syndroms einzuschätzen. Die Testfragen beziehen sich auf Ihr Alltagsleben in der letzten Zeit. Bitte stellen Sie sich die beschriebenen Situationen vor und beantworten Sie jeweils die folgende Frage: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass Sie in der jeweils angegebenen Situation einnicken bzw. einschlafen könnten? Sollten Sie eine Situation in letzter Zeit nicht erlebt haben, versuchen Sie sich bitte vorzustellen, wie sich die Situation am wahrscheinlichsten auf Sie ausgewirkt hätte. Zur Beantwortung benutzen Sie bitte die folgende Skala:

  • 0 = würde niemals einnicken
  • 1 = geringe Wahrscheinlichkeit einzunicken
  • 2 = mittlere Wahrscheinlichkeit einzunicken
  • 3 = hohe Wahrscheinlichkeit einzunicken

Bitte beachten Sie, dass dieser Test ein ärztliches Beratungsgespräch nicht ersetzen kann!

Wie ist bei den nachfolgenden Situationen Ihre Wahrscheinlichkeit einzunicken?

Situation Wahrscheinlichkeit des Einnickens
0123
Im Sitzen Lesen
Beim Fernsehen
Wenn Sie passiv (als Zuhörer) in der Öffentlichkeit sitzen (z.B. im Theater oder bei einem Vortrag)
Als Beifahrer im Auto während einer einstündigen Fahrt
Wenn Sie sich am Nachmittag hingelegt haben, um auszuruhen
Wenn Sie sitzen und sich mit jemandem unterhalten
Wenn Sie nach dem Mittagessen (ohne Alkohol) ruhig dasitzen
Wenn Sie als Fahrer eines Autos verkehrsbedingt eine Minute anhalten müssen
Gesamtpunktzahl n. v.
 

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